@ Zweigbahn nach Befort

 

 

Zweigbahn nach Befort

Am 20. März 1902 legte de PH-Gesellschaft Pläne vor für den Bau einer schmalspurigen Zweigbahn zu den Steinbrüchen auf dem Territorium der Gemeinde Befort mit Anschluss in Grundhof. Grundhof wurde daraufhin ausgebaut und erhielt die nötigen Umladegleise. Diese Industriebahn wurde am 4. November 1904 in Betrieb genommen. Abtransportiert wurden vor allem Steine und Holz.

Abb. 5: Blick auf die Übergabegleise Normalspur / Schmalspur im Bahnhof Grundhof. Im Bild ein Schmalspurzug mit aufgebockten Normalspur-Güterwagen.

Abb. 5: Blick auf die Übergabegleise Normalspur / Schmalspur im Bahnhof Grundhof. Im Bild ein Schmalspurzug mit aufgebockten Normalspur-Güterwagen.

Die Bahn wurde alsdann auf Drängen der Gemeinde Befort verlängert und bereits am 6. November 1911 für den Reise und Güterverkehr bis nach Befort eröffnet.

Die Güterzüge verkehrten nur nach Bedarf. Im Reisezugfahrplan jedoch gab es je einen morgendlichen und abendlichen Umlauf Befort – Grundhof – Befort.

1930 wurde an den Sonn- und Feiertagen ein Zugpaar um die Mittagszeit eingeführt. Diese Fahrplangestaltung blieb bis zur Schließung der Strecke bestehen.

Die Schmalspurbahn lag während der Monate Dezember 1944 bis Februar 1945 inmitten des Kampfgeschehens der deutschen Ardennen-Offensive.  Die Bahnhofsgebäude in Grundhof und Befort sowie der Lokschuppen Befort wurden dabei schwer beschädigt. Der Eisenbahnbetrieb ruhte seit dem 1. September 1944 und wurde erst am 29. Juli 1945 wieder aufgenommen. Von diesem Tag an verkehrten auch die Züge wieder auf der anschließenden Sauertallinie.

Die letzten Züge auf der Schmalspurbahn fuhren am 2. Mai 1948, nachdem bereits am 3. März 1948 der Grossherzogliche Beschluss unterzeichnet worden war, die drei Schmalspurbahnen Diekirch – Vianden, Cruchten – Fels – Ernzen und Grundhof – Befort stillzulegen. Die Gesamteinnahmen für die Monate April bis September 1947 betrugen 72 126 Franken. Jedem Franken an Einnahmen standen 10 Franken an Ausgaben gegenüber!

Abb. 6: Vor 1910: Auf  SILIKO (Kalkziegelfabrik) in Grundhof; die Prinz-Heinrich-Bahn, sowie links im Bild die alte Schmalspurbahn nach Befort und zu den Steinbrüchen von Dillingen. Letztere fuhr in Vor- und Rückwärtsfahrt im Zickzack auf die Beforter Heide hinauf.

Abb. 6: Vor 1910: Auf  SILIKO (Kalkziegelfabrik) in Grundhof; die Prinz-Heinrich-Bahn, sowie links im Bild die alte Schmalspurbahn nach Befort und zu den Steinbrüchen von Dillingen. Letztere fuhr in Vor- und Rückwärtsfahrt im Zickzack auf die Beforter Heide hinauf.

Der von der Gemeinde Befort zum Bahnbau zur Verfügung gestellte Grund und Boden fiel nach der Stilllegung  der Bahn an die Gemeinde zurück. In Grundhof wichen die Bahnanlagen (Schmal- und Normalspur) dem Straßenbau; ansonsten ist der gesamte Bahndamm noch vorhanden. Über ihn führt heute die offizielle Fahrradpiste von Echternach nach Diekirch. Das Bahnhofsgebäude und der Lockschuppen in Befort sind trotz verschiedener Umbaumaßnahmen noch als Bahnbauten erkennbar. Wegen ihrer geringen Streckenlänge, der interessanten Betriebsentwickelung und des Fehlens aufwendiger Kunstbauten sowie die Lage inmitten eines bevorzugten Fremdenverkehrsgebiet wäre die Schmalspurbahn Grundhof – Befort heute die touristische Attraktion der ganzen Gegend.

Abb. 7: Unabhängigkeits - Feier bei der Prinz-Heinrich-Bahn in Grundhof im Jahre 1939.

Abb.7: Unabhängigkeitsfeier bei der Prinz-Heinrich-Bahn in Grundhof im Jahre 1939.

Über den Betrieb der Sauerstrecke während der Prinz-Heinrich-Zeit ist nicht viel zu berichten. Die Strecke brachte von 1892 bis 1906 nur bescheidene Gewinne. Während der folgenden Jahre war ein stetiger Rückgang zu verzeichnen, doch blieben die Verluste bis zum Ersten Weltkrieg gering und wurden durch Eisenerz-Konzessionen ausgeglichen. Nach 1914 aber stand die Strecke an der Spitze aller verlustbringenden PH-Strecken. Im Betriebsdienst überwog der Personenverkehr. Im Güterverkehr wurden Steine und Holz versand, Kohle, Briketts und Thomasschlacken entladen.

Abb. 8: 1921: Wilhelm Simon und Kohnen Catherine. Wilhelm Simon als Streckenwärter bei der damaligen PH-Bahn; Es war ebenfalls während 18 Jahren erster Schöffe der Gemeinde Berdorf. Der Schwiegervater von Wilhelm Simon hieß Michel Kohnen. Letzter half die PH Bahn bauen, er war ebenfalls der erste „ Chef de Gare „ in Bollendorfbrück. Heute heißt dieses Haus noch immer „A Gare-Mëschels“. Catherine Kohnen bediente 42 Jahre hindurch die drei Bahnschranken: Die Schranke bei „Gare-Mëchels“  (siehe Abb. 8), diejenige bei Zähren Anna du als letzte die „Jaden-barrière“, am Zollhaus.

Abb. 8: 1921: Wilhelm Simon und Kohnen Catherine.
Wilhelm Simon als Streckenwärter bei der damaligen PH-Bahn; Es war ebenfalls während 18 Jahren erster Schöffe der Gemeinde Berdorf. Der Schwiegervater von Wilhelm Simon hieß Michel Kohnen. Letzter half die PH Bahn bauen, er war ebenfalls der erste „ Chef de Gare „ in Bollendorfbrück. Heute heißt dieses Haus noch immer „A Gare-Mëschels“. Catherine Kohnen bediente 42 Jahre hindurch die drei Bahnschranken: Die Schranke bei „Gare-Mëchels“  (siehe Abb. 8), diejenige bei Zähren Anna du als letzte die „Jaden-barrière“, am Zollhaus.

Zur besseren touristischen Erschließung der Gegend führte die PH-Gesellschaft daher ab 1903 die Straßenbahnzüge ein, die außer auf den üblichen Bahnhöfen auch an verschiedenen Bedarfsstellen  hielten. Zwei Zugpaare verkehrten während der Sommermonate. Für diese Züge beschaffte die Gesellschaft vier vierachsige Personenwagen, die mit ihren Plattformen und großen Fenstern eine fast unbehinderte Aussicht auf die Landschaft erlaubten. Damals und in den folgenden Jahren erlebte der Tourismus einen noch nie dagewesenen Aufschwung.

Nach 1918, bedingt durch die weltweite Notlage und das Ausbleiben wohlhabender Touristen, wurden diese Züge unrentabel.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen am 10. Mai 1940 wurde die Strecke von deutschen Feldeisenbahnern bedient und fast ausschließlich für Zwecke der Wehrmacht benutzt. Anfang September 1944 diente die Sauerstrecke der Evakuierung der in Luxemburg befindlichen deutschen Dienststellen. Wegen des Frontverlaufs zwischen deutschen und  amerikanischen Truppen im Sauertal ruhte zwischen September 1944 bis Februar 1945 jeglicher Zugverkehr im Sauertal.

Mit dem Überschreiten der Sauer im Februar 1945 durch die Amerikaner konnte endlich an einen Wiederaufbau der Strecke gedacht werden.

Am 29. Juli 1945 wurde der Teilabschnitt Reisdorf-Echternach wieder in Betrieb genommen.
Die völlige Wiederherstellung zog sich aber bis zum Jahr 1953 hin.

1958 wurde der Bahnhof Bollendorf durch einen gewaltigen Erdrutsch verschüttet. Bei seinem Wiederaufbau verzichtete man bereits auf die Gleise für den Güterverkehr. Der Streckenabschnitt Diekirch-Echternach erhielt noch eine mehrjährige Gnadenfrist.

Am 12. Juni 1964 fuhr der letzte Güterzug auf der Strecke Diekirch-Echternach. Auf einem Autoreifen, der an der Lok befestigt war, stand zu lesen: „Unserer lieben Sauerstreck‘ geboren den 8.12.1873, gestorben am 12.6.1964, nach langem Defizit, im Alter von 90 Jahren.

Abb. 9: 12. Juni 2964 – letzter Zug auf der Sauerstrecke Diekirch – Echternach. Der Luxemburgische Text auf dem Schild lautet:

Abb. 9: 12. Juni 2964 – letzter Zug auf der Sauerstrecke Diekirch – Echternach. Der Luxemburgische Text auf dem Schild lautet:

„ONSER LE’WER SAUERSTRECK
GEBUER DEN 8.12.1873
GESTUERWEN DEN 12.6.1964
NO LANGEM DEFIZIT
AM ALTER VUN 90 JOER“


Auf dem Reifen steht zu lesen:

„Strôss huet mech kapott gemâch“